Detail: Personalsituation - Einsatzbelastung

Die problematische Personalsituation der Berliner Feuerwehr ergibt sich, wenn die Entwicklung der Einsatzzahlen im Zusammenhang mit der Stellensituation der Berliner Feuerwehr betrachtet wird. Hierzu wurden die in den öffentlichen Jah­resberichten der Berliner Feuerwehr angegebenen Stellenzahlen gemeinsam mit den dort angegebenen Einsatzzahlen in Abbildung 1 aufgetragen.

 

Die Kurven zeigen die Entwicklung der Stellenzahl der Berufsfeuerwehr und der Anzahl der Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehren im Vergleich zur Entwicklung der Einsatzzahlen. Hierbei muss berücksichtigt werden,

  • dass nicht alle Stellen der Berufsfeuerwehr im Einsatzdienst angesiedelt sind (bspw. die Verwaltung und Werk­stätten) und sich natürlich nicht alle Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr zeitgleich im Dienst befinden. Tatsächlich betrug die geplante Tagesschichtstärke auf den Feuer- und Rettungs­wachen im Jahr 2016 am Tag 572 Einsatzfunktionen, in der Nacht 536 Einsatzfunktionen.
  • dass alle Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr jederzeit über am Körper getragene Funka­larmempfänger sofort alarmierbar sind. Naturgemäß befindet sich jedoch ein Anteil nicht in Ber­lin oder ist zu weit entfernt vom Wachgebäude, krank oder aus anderen Gründen nicht verfügbar.

 

Die nachfolgende Tabelle vergleicht die Situation von 1997 mit 2016.

 

Jahr

Einsätze

BF Personal

FF Personal

1997

257.423

4.409

1.416

 

 

2016

454.143

4.054

1.436

Veränderung

+ 196.720

-355

+20

 

Der Vergleich in der Tabelle zeigt, dass die Berliner Feuerwehr im Jahr 2016 mit fast 10 % weniger Personal ca. 76 % mehr Einsätze bewältigen musste, als das 1997 der Fall war. Dabei wird die Dauer der Einsätze hierbei noch nicht einmal berücksichtigt. Für 2017 rechnen wir aufgrund der Entwicklung und der zahlreichen Unwetterlagen mit einem weiteren Anstieg der Einsatzzahlen.

 

Die begonnene Einstellung von zusätzlichem Personal ist also dringend notwendig. Ein Ende des Anstiegs der Einsatzzahlen ist noch nicht absehbar.


Quellen:

Jahresberichte der Berliner Feuerwehr

Detail: Personalsituation – Nicht besetzte Einsatzfunktionen

Tatsächlich fehlte der Berufsfeuerwehr bereits im ersten Halbjahr 2018 Personal, um die vorgesehenen Einsatzfunktionen zur Erfüllung ihrer Aufgaben zu besetzen. Diese Situation hat sich nicht verbessert.

Wenn alle Rettungswagen für den Rettungsdienst im Dienst bleiben sollen, bleibt nur eine Reduzierung bei den Drehleitern oder den Löschhilfeleistungsfahrzeugen. Dies führt jedoch zu entscheidenden Nachteilen:

  • Die Drehleitern werden mit zwei Einsatzfunktionen besetzt und stellen den in der Berliner Bauordnung geforderten zweiten Rettungsweg für einen Großteil der Berliner Wohngebäude sicher. 
  • Wenn die Drehleitern im Ernstfall zur Menschenrettung benötigt werden, müssen sie schnell und direkt vor dem Einsatzort eintreffen. Trifft eine Drehleiter später als die anderen Einsatzfahrzeuge in der Straße ein, behindern sich die Einsatzfahrzeuge in den oft engen und zugeparkten Straßen gegenseitig. Die vom Brand betroffenen Menschen halten den Brandeinwirkungen leider oft nicht so lange stand, als das sie die Zeit für großes Rangieren abwarten könnten. Auch Löschfahrzeuge lassen sich nur rangieren, wenn keine Schlauchleitungen angeschlossen sind. Der durch das Rangieren der Fahrzeuge entstehende Zeitverlust kann deshalb schnell Menschenleben kosten. Später eintreffende Drehleitern nutzen daher nur noch bedingt für die Menschenrettung.
  • Die Löschhilfeleistungsfahrzeuge werden mit 6 Einsatzfunktionen, einer sogenannten Staffel, besetzt. Fehlt eine dieser Einsatzfunktionen kann die Abwicklung eines Einsatzes schnell sehr schwierig werden. Es gibt an der Einsatzstelle viele Aufgaben, die gleichzeitig erfüllt werden müssen, und die schnelle Bewältigung vieler dieser Aufgaben verlangt die Zusammenarbeit von zwei Einsatzfunktionen.
  • Löschhilfeleistungsfahrzeuge, die mit weniger als dem eigentlich erforderlichen Personal ausrücken, haben nur eine reduzierte Schlagkraft. Es muss daher ein zusätzliches weiteres Löschhilfeleistungsfahrzeug zur Einsatzstelle geschickt werden, um die fehlenden Einsatzkräfte zu ergänzen. Dies führt nicht nur zu einem Zustellen der ohnehin knappen Bewegungsflächen mit Einsatzfahrzeugen, sondern auch zu einem erhöhten Kommunikationsaufwand in der Einsatzabwicklung. Die Wahrscheinlichkeit, dass es hierbei zu Fehlern kommt, steigt.

Außer Dienst gestellte Fahrzeuge oder Fahrzeuge, die mit weniger als dem eigentlich erforderlichen Personal ausrücken, sorgen daher nicht nur für Probleme an der Einsatzstelle, sondern sofort für eine verminderte Gebietsabdeckung. Die zur personellen Unterstützung zusätzlich herangezogenen Fahrzeuge fehlen dann in den eigentlich von ihnen abzudeckenden Bereichen (vgl. Detail – Gebietsabdeckung).

Quellen:
 

  • Berliner Morgenpost vom 26. April 2018
    https://www.morgenpost.de/berlin/article214122311/Personalmangel-bei-der-Feuerwehr-gefaehrdet-den-Betrieb.html

Detail: Personalsituation – Zukünftige Entwicklung

Wir freuen uns über die 211 neuen Feuerwehranwärter der Berufsfeuerwehr, die zusätzlich zu den 45 Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr am Tag der offenen Tür vom Innensenator Andreas Geisel begrüßt wurden. Die Einstellung von 211 Feuerwehranwärtern bei der Berufsfeuerwehr am Tag der offenen Tür geht in die richtige Richtung. Allerdings ist dies mitnichten schon die Lösung des Personalproblems der Berufsfeuerwehr, und zwar aus folgenden Gründen:

 

  • Die neueingestellten Kräfte müssen nun erst einmal ausgebildet werden und auch Einsatzerfahrung sammeln. Sie stehen daher vor Ablauf von zwei Jahren nicht als eigenständig einsetzbare Einsatzkräfte zur Verfügung.
  • Um eine Einsatzfunktion im Dienst der Berliner Feuerwehr 365 Tage im Jahr rund um die Uhr zu besetzen waren im Jahr 2016 rechnerisch 5,42 Berufsfeuerwehrangehörige notwendig (Personalfaktor).
    Am 1.9.18 sinkt die wöchentliche Arbeitszeit für die Berufsfeuerwehrangehörigen im Einsatzdienst gemäß einer Senatsvereinbarung von 48 auf 44 Stunden. Zusätzlich soll die erneute Ansammlung von Überstunden verhindert werden.
    Der Personalfaktor wird also weiter in Richtung 6 steigen.
    Das bedeutet, dass mit den 211 Personalstellen können maximal 38 Einsatzfunktionen der 572 Einsatzfunktionen (Stand 2016) auf den Feuer- und Rettungswachen besetzt werden, in Zukunft jedoch eher weniger.
  • Es ist ein völlig offene Frage, ob die 211 Anwärter der Berufsfeuerwehr nach Abschluss ihrer Ausbildung bei der Berliner Feuerwehr bleiben werden. Alle Berufsfeuerwehren in Deutschland suchen händeringend Personal. Sie bieten eine höhere Bezahlung, oft deutlich bessere Arbeitsbedingungen und weniger Einsatzstress als das Land Berlin.
    Gerade junge Menschen am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn sind in der Regel auch noch ausreichend mobil. Auch erworbene Pensionsverluste sind beim Wechsel zu Beginn der Laufbahn noch nicht zu berücksichtigen.
  • In den letzten 20 Jahren wurden auch die Ausbildungskapazitäten der Berliner Feuerwehr abgebaut. Die Anzahl der auszubildenden Berufsfeuerwehranwärter lässt sich daher nicht beliebig erhöhen.
    Zusätzlich werden weitere Fahrzeuge für die Ausbildung benötigt, das verschärft die Fahrzeugsituation (vgl. Detail – Fahrzeugsituation LHF).

 

Die Leistungsfähigkeit der Berliner Feuerwehr hängt ganz wesentlich von der Personalsituation der Berufsfeuerwehr ab. Wie gezeigt, lässt diese sich nicht einfach verbessern. Tatsächlich muss die Berliner Feuerwehr daher auch schon im September 2018 die Anzahl der Einsatzfunktionen auf den Feuer- und Rettungswachen weiter reduzieren. Dies führt automatisch zu einer Verschlechterung der Situation (vgl. Personalsituation – Nicht besetzte Einsatzfunktionen und Detail Gebietsabdeckung). Unsere Warnung vor einer drohenden Handlungsunfähigkeit bei Betrachtung der Gesamtproblematik ist also mehr als begründet (vgl. Detail – Drohende Handlungsunfähigkeit).

 

Der Motivation und Leistungsfähigkeit der Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr wird daher noch erheblich mehr Bedeutung zu kommen. Dabei gehören die ehrenamtlich tätigen Freiwilligen Feuerwehrangehörigen in Berlin schon zu den höchstbelasteten in Deutschland. Der teilweise verrottete Zustand der Dienstgebäude und alte oder abgezogene Fahrzeuge sind für ihre Motivation nicht förderlich.

 

Tatsächlich wird der Anspruch an das ehrenamtliche Engagement jedoch beständig höher geschraubt, indem z.B. in der Ausbildung und beim Dienstbetrieb Tätigkeiten, die früher durch Berufskräfte der BF wahrgenommen wurden, zunehmend auf Freiwillige Feuerwehrleute verlagert werden.

 


 

Quellen:

Detail: Fahrzeugsituation LHF

Die Löschhilfeleistungsfahrzeuge (LHF) sind quasi das Schweizer Taschenmesser der Berliner Feuerwehr. Ziel war und ist, dass mit der mitgeführten Ausrüstung der Großteil aller Einsätze der Brandbekämpfung und Technischen Hilfeleistung abgearbeitet werden kann. Zusätzliches Rettungsdienstmaterial soll aber auch den Einsatz im Rettungsdienst unterstützen, wenn z.B. ein zeitnahes Eintreffen eines Rettungswagens nicht möglich ist oder eine Vielzahl von Verletzten zu versorgen ist.

 

Die wenigen neu beschafften Fahrzeuge wurden über die Jahre immer den sich verändernden Anforderungen angepasst, so dass es mittlerweile aufgrund der großen Baureihenvielfalt erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Schlagkraft dieser Fahrzeuge gibt. Die Beladungsmöglichkeiten der Fahrzeuge sind bis unter das Dach ausgereizt und neue Ausrüstung kann, schon aus Platz- oder Gewichtsgründen, nicht einfach hinzugefügt oder gegen vorhandene ausgetauscht werden.

Die Drucksache 18 / 13 054 des Berliner Abgeordnetenhauses liefert eine Übersicht über den Fahrzeugzustand am 31.12.2017. Wir haben diese Übersicht für Sie aufgearbeitet.
 

Löschhilfeleistungsfahrzeuge LHF

Anzahl

LHF 10/5

5

LHF 16

105

LHF 20/8

6

LHF 20/12 CAFS

44

Summe

160

 

  • Das über alle LHF Typen gemittelte Durchschnittsalter beträgt 15 Jahre.
  • Das Durchschnittsalter der LHF 16 beträgt 18 Jahre.
  • Es müssten im Jahr 2018 insgesamt ca. 10 LHF mit Baujahr 2018 in Dienst gestellt werden, um den Altersdurchschnitt in 2018 um ein Jahr abzusenken.

 

Feuerwehrfahrzeuge haben in der Regel zwar sehr geringe Laufleistungen, werden aber durch den Alarm-Kaltstart, ständig wechselnde Fahrer und die rauen Einsatzanforderungen sehr belastet. Es ist bei Feuerwehren nicht ungewöhnlich, dass einzelne Sonderfahrzeuge oder Einsatzfahrzeuge der zweiten Reihe ein hohes Alter erreichen, bevor sie ausgesondert werden.

Bei den Löschhilfeleistungsfahrzeugen handelt sich allerdings um die Erstangreifer für das Tagesgeschäft. Diese Fahrzeuge müssen den aktuellen Anforderungen gerecht werden und auf dem Stand der Technik sein. Sie dürfen im Einsatz nicht versagen und müssen die an sie gestellten Anforderungen zuverlässig erfüllen können.

Die nachfolgenden Grafiken zeigen die zeitliche Entwicklung der Fahrzeuganzahl. Die Daten stammen aus den Jahresberichten der Berliner Feuerwehr. Hierbei wurden zwei Löschgruppenfahrzeuge vom Typ LF 20 KatS der LHF Gruppe zugerechnet, da für die Betrachtung der Einsatzfähigkeit die Anzahl der verfügbaren einsetzbaren Fahrzeuge wichtiger ist, als etwaige Unterschiede in der Beladung.

 

Die Situationsverschlechterung wird deutlich, wenn die Einsatzzahlen mit der Anzahl der verfügbaren LHF gekoppelt werden. Abbildung 2 zeigt die statistische Umrechnung der  Anzahl der verfügbaren LHF auf die insgesamt pro Jahr gefahrenen LHF-Einsätze. Die Grafik zeigt eine deutliche Zunahme der Auslastung der LHF ab dem Jahr 2013.

 

Aktuell besteht nun das Problem, die veralteten verschlissenen LHF-Fahrzeuge mit viel Geld halbwegs funktionstüchtig zu halten. Teilweise sind die benötigten Ersatzteile nicht mehr am Markt erhältlich und müssen erst nachgefertigt werden. Der Instandhaltungsaufwand der alten Fahrzeuge ist immens. In der Folge stehen immer weniger dieser Fahrzeuge für den Einsatzdienst zur Verfügung, weil eine große Anzahl davon in den Werkstätten steht.

Die verbliebenen LHF-Fahrzeuge müssen ferner jährlich zu einer technischen Untersuchung. Aufgrund der reduzierten Werkstattkapazitäten der Berliner Feuerwehr und der mit aufwendigen Reparaturen ausgelasteten Fremdwerkstätten, entstehen so lange Wartezeiten. Die Werkstätten wissen schon nicht mehr, was sie zuerst machen sollen.

Fällt nun ein weiteres LHF-Fahrzeug durch Unfall oder Defekt aus, gibt es häufig keine Reserven mehr. Nur wenn zufällig die Reparaturen an einem anderen Fahrzeug gerade abgeschlossen wurden oder eine schnelle Instandsetzung möglich ist, entstehen keine Lücken im einsatztechnisch erforderlichen Fahrzeugbestand.

Diese glückliche Situation ist jedoch selten. Können die ausgefallenen LHF-Fahrzeuge nicht wie oben beschrieben ersetzt werden, werden LHF-Fahrzeuge von Freiwilligen Feuerwehren abgezogen und zu Berufsfeuerwachen umgestellt, um diese im Dienst zu halten. Ob die BF-Wachen diese LHF-Fahrzeuge dann in der Folge auch mit Personal besetzen können, ist eine andere Frage (vgl. Detail Personalsituation).

Diese Situation wird weiter eskalieren und in Summe zunehmend die Einsatzbereitschaft der Berliner Feuerwehr gefährden.

 

Quellen:

  • Drucksache 18 / 13 054 des Berlin Abgeordnetenhauses
    Link
  • Jahresberichte der Berliner Feuerwehr
    https://www.berliner-feuerwehr.de/service/mediathek/jahresberichte/
  • Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 18 / 13 054
    Link

Detail: Gebietsabdeckung

Wer kommt zum Einsatzort?

 

Ein Notruf geht über die Notrufnummer 112 bei der zentralen Feuerwehrleitstelle der Berliner Feuerwehr ein. Die Beschickung der Einsatzstelle erfolgt dann im sogenannten Rendez-vous-Verfahren. Hierfür werden computergestützt die erforderlichen und der Einsatzstelle nächstgelegenen freien Fahrzeuge ermittelt.

Hierbei wird auch geprüft, ob jedes Fahrzeug mit der dafür vorgesehenen Anzahl an Einsatzkräften ausrückt. Ist dies nicht der Fall, werden solange weitere gleiche Fahrzeugtypen auf den Einsatz alarmiert, bis die notwendige Einsatzkräfteanzahl erreicht ist (vgl. auch Detail Personalsituation – Nicht besetzte Einsatzfunktionen). Hierbei spielt es keine Rolle, ob die Fahrzeuge durch Personal der Berufsfeuerwehr oder der Freiwilligen Feuerwehr besetzt sind.

 

Sehr leistungsfähiges Konzept

Die Leistungsfähigkeit der Berliner Feuerwehr ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Fahrzeugen, die durch die Berufsfeuerwehr (BF) und die Freiwilligen Feuerwehr (FF) besetzt werden. Die Standorte der Berufsfeuerwehr befinden sich überwiegend im dicht besiedelten Innenstadtbereich. Die der Freiwilligen Feuerwehr sowohl im Innenstadtbereich, als auch in den Rand- und Außenbereichen. Hierbei gliedert sich die Freiwillige Feuerwehr in Wehren vom Typ A und B (vgl. Detail Situation der Freiwilligen Feuerwehr). Die Abbildung 3 zeigt die BF- und FF-Standorte auf der Übersichtskarte der Berliner Feuerwehr vergrößert dargestellt.

 

 

Situation Wohnungsbrand

Zu der Ausstattung einer BF-Wache gehört in der Regel ein Löschhilfeleistungsfahrzeug (LHF) mit 6 Einsatzkräften und eine Drehleiter (DLK) mit 2 Einsatzkräften. Für einen „normalen“ Wohnungsbrand mit dem Einsatzstichwort werden zwei dieser Löschhilfeleistungsfahrzeuge und eine Drehleiter benötigt. In Summe sind das 14 Einsatzkräfte für die Brandbekämpfung. Zusätzlich kommt ein Führungsdienst und ein Rettungswagen, die hier nicht weiter betrachtet werden.

Nun kommt es zu dem Eingangs beschriebenen Rendezvous-Verfahren. Von der näher zum Einsatzort gelegenen BF-Wache A rücken das LHF und die DLK aus, von der Freiwilligen Feuerwehr XY das LHF. Diese kommen über verschiedene Anfahrten zur Einsatzstelle und arbeiten dann dort zusammen.

 

Auswirkungen von fehlenden Fahrzeugen und BF-Personal

  • Fehlendes BF-Personal
    Fehlen nun auf dem LHF der Berufsfeuerwehr z.B. zwei der sechs Einsatzkräfte, wird ein weiteres LHF hinzu alarmiert. Auch wenn dieses dritte LHF eine längere Anfahrt hat, steht an der Einsatzstelle, wenn auch zeitverzögert, die geforderte Mindestanzahl von 14 Einsatzkräften zur Verfügung.
    Dieses dritte LHF „fehlt“ nun allerdings zur Abdeckung der Bereiche um seinen Standort. Treten derartige Unterbesetzungen gehäuft auf, entblößen sich auf diese Weise sehr schnell große Bereiche und die Eintreffzeiten steigen. Die BF-Personalsituation wird in der nächsten Zeit allerdings nicht besser, vergleiche Detail Personalsituation.
  • Fehlende Löschhilfeleistungsfahrzeuge
    Aufgrund der desaströsen LHF-Fahrzeugsituation bei der Berliner Feuerwehr kommt es bereits vor, dass kein Ersatzfahrzeug zur Verfügung steht, wenn das Stamm-LHF eines Standortes ausfällt (TÜV, Schaden, …).
    Auch Umsetzungen von einem FF-Standort zu einer BF-Wache lösen nicht das Problem, sie verschieben es nur. Wurden der FF in der Einsatzkonzeption zur Gebietsabdeckung zwei LHF zugewiesen, sinkt deren Leistungsfähigkeit. Steht ihr im Regelbetrieb nur ein LHF zur Verfügung, ist diese FF nun nicht mehr einsatzbereit.

    Dies bedeutet bei einer Typ A Wehr automatisch eine verringerte Gebietsabdeckung. Entfällt das Fahrzeug bei einer Typ B Wehr, bedeutet dies den Verlust der Fähigkeit bei größeren Einsatzlagen oder vielen parallelen Einsätzen den dicht bewohnten Innenstadtbereich weiterhin abdecken zu können.

Tatsächlich werden sich in den nächsten Monaten sowohl das verfügbare BF-Personal, als auch die einsetzbaren LHF-Fahrzeuge eher reduzieren. Es kommt mittlerweile sogar vor, dass BF-LHF völlig unbesetzt sind. In der Folge verringert sich die Gebietsabdeckung bereits bei einigen parallelen Standardeinsätzen, wie dem geschilderten Wohnungsbrand.

  • BF-Wachen und FF-Standorte vom Typ A müssen dann zur Unterstützung zu weiter entfernten Einsatzorten ausrücken bzw. die FF-Standorte können dies nicht mehr leisten. Sie hätten zwar ggf. das Personal, aber die für ihre Schlagkraft notwendigen LHF fehlen.
  • Bereits bei geringfügig erhöhten Einsatzaufkommen für die LHF leeren sich die BF-Wachen in den dicht bewohnten Innenstadtbereichen. Zur Wiederherstellung der Gebietsabdeckung könnten nun FF vom Typ B alarmiert werden. Dies geht jedoch nur, wenn deren LHF nicht abgezogen wurden, um dann ggf. unbesetzt auf einer anderen BF-Wache zu stehen.
  • Durch die längere Anfahrt in entferntere Bereiche erhöht sich nicht nur die Eintreffzeit an der Einsatzstelle, sondern auch das Unfallrisiko. Zum einen, weil die Fahrstrecke länger ist, zum anderen, weil die Örtlichkeiten nicht so vertraut sind. Die in der Hilfsfrist vorgegebene Zeit von 15 Minuten wurde im Schutzbereich A bereits 2016 aber noch gerade nur knapp verfehlt.

 

Quellen:

  • Jahresberichte der Berliner Feuerwehr
    https://www.berliner-feuerwehr.de/service/mediathek/jahresberichte/

Detail: Fahrzeugbeschaffung

Das Konzept Löschhilfeleistungsfahrzeug (LHF)

Die Berliner Feuerwehr verfolgt mit Ihren Löschhilfeleistungsfahrzeugen, kurz LHF genannt, seit langem ein 1-Fahrzeugkonzept. Das heisst, den Einsatzkräften steht ein Fahrzeugtyp zur Verfügung, mit dem sie den Großteil der Einsätze im Bereich Brandbekämpfung und Technische Hilfeleistung erfolgreich bewältigen können. Wird im Einsatzfall ergänzende Ausrüstung benötigt, wird diese mit zusätzlich zu alarmierenden Fahrzeugen zur Einsatzstelle gebracht.

Die Entwicklung des Konzeptes in Berlin und im Bundesgebiet

Mit der technischen Entwicklung ändern sich auch die Anforderungen. Dies führt zu steten Veränderungen im Ausrüstungsumfang oder bei mitgeführten Löschmitteln. Dies beeinflusst dann auch wiederum die Anforderungen an z.B. die Motorleistung, das Fahrzeuggewicht und die Fahrzeugabmessungen.
Auf der Webseite der Berliner Feuerwehr sind ein Teil der unterschiedlichen LHF-Fahrzeugentwicklungen zu sehen. Die älteren tagesleuchtfarben lackierten LHF 16/12 mit Baujahren ab ca. 1994 werden dort allerdings nicht mehr vorgestellt. Sie sollen zunehmend ausgesondert werden, müssen aber aktuell auf Grund des akuten Fahrzeugmangels mit unwirtschaftlichen Reparaturen im Dienst gehalten werden.

Im übrigen Bundesgebiet lief die Entwicklung zu einem universellen Fahrzeugtyp für die Brandbekämpfung und Technische Hilfeleistung erst später an. Sie läuft dort unter dem Begriff Hilfeleistungslöschfahrzeug, kurz HLF. Eine der ersten Norm für ein HLF 20/16 stammt aus dem Jahr 2004.

Einzelfertigung und Lieferzeiten

Die Stückzahlen für derartige LHF oder HLF sind im Vergleich zum Pkw- oder auch Lkw-Bereich vergleichsweise gering. Die Fahrzeuge werden von wenigen spezialisierten Herstellern von Feuerwehrfahrzeugen in Einzelfertigung, maximal in Kleinserien, auf handelsüblichen Fahrgestellen aufgebaut. Da die Feuerwehren häufig zudem individuelle Anforderungen haben, ist der Markt für auf Vorrat produzierte standardisierte Normfahrzeuge verschwindend gering.

Gründe für diese besonderen Anforderungen sind z.B.

  • Topographische Gründe
    So machen starke Steigungen oder unwegsames Gelände im Einsatzbereich eine andere Motorisierung oder Allradantrieb erforderlich.
  • Einsatztaktische Gründe
    Auf Grund örtlicher Verhältnisse ist bspw. ein erhöhter Löschwasservorrat, besondere Löschmittel oder eine umfangreichere oder abweichende Ausrüstung notwendig. Das neue Fahrzeug soll schließlich in die Einsatzkonzeption der bestehenden Fahrzeuge der Feuerwehr passen.
  • Wartungs- und Instandhaltungsgründe
    Die Fahrzeugtechnik wird auch im Bereich der Feuerwehrfahrzeuge immer spezieller. Sie erfordert im zunehmenden Umfang Spezialwerkzeuge und -kenntnisse. Für eine Feuerwehr kann daher die schnelle Verfügbarkeit einer geeigneten Werkstatt mit 24-Stundenservice die Auswahl der Fahrgestelle bzw. der Feuerwehrfahrzeughersteller einschränken.

Aus den angeführten Gründen gibt daher nur einen verschwindend geringen Markt für sofort einsetzbare Neufahrzeuge. Das verfügbare Angebot deckt insbesondere die Notwendigkeit für kleinere Feuerwehren ab, bei einem Unfall mit Totalschaden schnell zu einem Ersatzfahrzeug zu kommen.

Lieferzeiten ab Bestelleingang von 18 bis 24 Monaten sind daher für Löschhilfeleistungs- oder Hilfeleistungslöschfahrzeuge der Normalfall. Hinzu kommt, dass einige Feuerwehrfahrzeughersteller sich derzeit zudem über volle Auftragsbücher freuen können.

Wann steht ein Löschhilfeleistungsfahrzeug zur Verfügung?

Die Beschaffung einer größeren Stückzahl von derartigen Löschhilfeleistungsfahrzeugen ist aus den angeführten Gründen eine langfristige Angelegenheit und nicht mit dem Kauf eines Pkw beim Autohändler zu vergleichen.

  1. Im Haushalt muss das Geld bereitgestellt werden.
  2. Vor einer Bestellung beim Hersteller muss das in der öffentlichen Verwaltung vorgeschriebene Ausschreibungsprozedere, bis hin zur europaweiten Ausschreibung, eingehalten werden. Diese Zeitspanne hängt von den jeweils geltenden gesetzlichen Fristen und der Geschwindigkeit der Berliner Verwaltung ab.
  3. Der Feuerwehrfahrzeughersteller bekommt den Auftrag und hängt nun selbst von der Verfügbarkeit seiner Lieferanten, u.a. der Fahrgestelle ab.
    Es ist mit Lieferzeiten von 18 bis 24 Monaten zu rechnen.
  4. Das neue Löschhilfeleistungsfahrzeug kommt zur Berliner Feuerwehr und muss auf Einsatztauglichkeit und technisch einwandfreien Zustand jedes einzelnen Gerätes geprüft und abgenommen werden.
  5. Das Fahrzeug wird einer Wache zugeordnet. Die Einsatzkräfte müssen sich nun mit dem Fahrzeug vertraut machen und damit üben. Die dort verbaute neue Technik kann den Einsatzkräften unbekannt und völlig neu sein. Aufgrund des erheblichen Techniksprunges ist das bei der Berliner Feuerwehr auch wahrscheinlich der Fall. Es gibt neue Ausrüstung oder bestehende ist an anderen Orten im Fahrzeug platziert. Die Einsatzkräfte müssen den Beladeplatz für jeden Schraubenzieher kennen, damit die Ausrüstung auch um 03:00 Uhr morgens im Einsatz schnell gefunden wird.
    Kommt das Fahrzeug zu einer Berufsfeuerwache, muss dieser Vorgang neben dem laufenden Dienstbetrieb in jeder einzelnen Schicht parallel geschehen. Dies dauert mehrere Schichten, da die Einsatzkräfte parallel in dieser Zeit mit dem alten LHF oder auf anderen Fahrzeugen ausrücken müssen.

Von der Ankündigung des Innensenators über eine geplante Beschaffung, bis hin zur faktischen Indienstnahme vergeht also viel Zeit. In dieser Zeit altern und verschleißen die bestehenden Löschhilfeleistungsfahrzeuge weiter. Läuft es ganz schlecht, fallen sie sogar durch Unfälle aus.

Wir steuern der Handlungsunfähigkeit der Berliner Feuerwehr entgegen!

Quellen:

Bitte unterschreibt die Petition und teilt diese an in Berlin lebende Menschen.
Es ist sehr wichtig, dass hier vor allem Berliner unterschreiben, da der Senat nur für Berlin verantwortlich ist.

 

hier der Link zur unserer PETITION